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Schmal, lang und ästhetisch

In den ersten zwölf Jahren meines Lebens habe ich noch nicht an Ducati gedacht. Aber dann, ich war so 12 oder 13 Jahre alt, wurde ich durch ein dumpfes Grummeln aus dem Haus gelockt. Statt des erwarteten Weltuntergangs hatte unser Nachbar sein zierliches Motorrad rausgeholt und zum Ausritt vorbereitet. Ich stand im Abgasstrom des donnernden Einzylinder Triebswerks; mit jedem Kolbenhub gab es Gänsehaut.

Dieses Motorrad war ausgestattet mit dem nötigsten, was man so braucht, um sich schnell und individuell zu bewegen. „Damit nach dem Ausritt am Motorrad auch noch alles dran ist", so erklärte mir mein Nachbar, „habe ich alle wichtigen Schrauben mit Messingdraht gesichert".

Wirklich beeindruckend........ Eigentlich war mir da schon klar, welches Motorrad ich mit 18 haben wollte. Zu meinem 15ten Geburtstag erschien die neueste Zeitschrift, das Heft 7 / 75. Dank dieser Ausgabe wurde nun mein Lebensweg festgeschrieben. Schon allein die Titelseite ließ meinen Puls höher schlagen. Dort war mein Motorrad: Schmal, lang und unglaublich ästhetisch. Doch vom Motor war nichts zu sehen. Und was stand dort im Text? Aus der Traum: Eigentlich ist es unfair, so schrieb die Zeitung, dem Leser das Maul wässrig zu machen mit einem Motorrad, das er sich doch nicht kaufen kann. Denn zu diesem Zeitpunkt war die Kleinserie schon restlos ausverkauft. Traurig blätterte ich weiter. Farbfotos von vorn, von der Seite und von hinten ließen meine Enttäuschung vergessen. Häufig schaute ich mir die Bilder an, ganz besonders das Bild mit dem Vergaser des ersten Zylinders, in der Hoffnung, doch irgendwie über den Ansaugtrichter das Einlassventil zu sehen.

Im Januar 1981 rief die Bundeswehr. Dank der unschönen Ereignisse während der Grundausbildung dachte ich wieder über die schönen Dinge des Lebens nach. Jetzt sollte es passieren. Ich gab ein Inserat in der „Motorrad" auf: Suche 750 SS mit Rundmotor. Ehrlich gesagt, habe ich zu dieser Zeit nie an einen Verkäufer geglaubt. Doch tatsächlich meldeten sich zwei Herren. Nach einem kurzen Telefonat setzte ich mich dann am Freitag Mittag mit meiner Freundin ins Auto und wir fuhren nach Klagenfurt. Schnell wurde ich mir mit dem Verkäufer einig und ich zerlegte die neu erworbene Ducati an Ort und Stelle in ihre Einzelteile. Alles verschwand im Golf 1 und wir fuhren Richtung Heimat. Sonntag Morgen waren wir wieder zu Hause: Ausladen, Zusammenbauen und ....?

Probefahrt! Alles perfekt! Seitdem habe ich von Ducati nicht mehr losgelassen. Auf eine persönliche Einladung ins Werk von Fabio Taglioni bin ich ganz besonders stolz. Dieses Schriftstück hängt neben meinem Schreibtisch in meinem Büro und erinnert mich immer wieder an die schönste Zeit meines Lebens.